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Donnerstag, 30. Juni 2016

Der Tchibo Skandal und seine Folgen.

Hallo ihr Lieben!

Im Rahmen einer Hausarbeit für die Uni habe ich mich mit dem Skandal um Tchibo im Jahr 2005 auseinandergesetzt. Es ging damals um die schlechten Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten in Bangladesch. Da ich es wirklich erstaunlich und interessant finde wie sich das Unternehmen durch diesen Skandal zum positiven gewandelt hat möchte ich euch ein wenig davon berichten:

Der Skandal um Tchibo und die Arbeitsbedingungen bei den Zuliefererbetrieben begann mit einer „Tchibo-Arbeitsgruppe“, welche von der Clean Clothes Campaigne ins Leben gerufen, nachdem ein Vorfall in einer Fabrik in Bangladesch an die Öffentlichkeit gekommen war. Bei diesem wurden einige Mitarbeiter aufgrund der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft fristlos gekündigt. Ziel war es den Tchibo-Konzern dahin zu bringen die gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich damit den bekannten Problemen in Bangladesch bei den Zulieferern anzunehmen. Um jedoch eine gute Grundlage für diese Arbeit zu schaffen, wurde im Jahr 2004 eine Studie in den Textilfabriken, die zu Tchibos Lieferanten gehörten, durchgeführt. Das Ergebnis dieser Studie war eindeutig: Die Arbeitsbedingungen waren sehr schlecht. Nicht nur mussten die Näherinnen dort 11-14 Stunden täglich, in nicht klimatisierten Fabriken, arbeiten, wo zudem auch noch Fluchtwege gezielt verschlossen wurden, sondern unter anderem erlitten sie auch sexuelle Belästigung, reglementierte Toilettengänge und völlige Erschöpfung durch die Arbeit. Im September desselben Jahres begannen die ersten Gespräche zwischen der Arbeitsgruppe und dem Tchibo-Konzern. Die Konzernleitung wies zu diesem Zeitpunkt jedoch jegliche Verantwortung von sich. Daraufhin begann die Arbeitsgruppe der CCC an die breite Öffentlichkeit zu treten und verschiedene Protestaktionen durchzuführen. Nachdem allerdings weitere Gesprächsversuche zwischen den Parteien gescheitert waren formulierte die Arbeitsgruppe Ende Januar 2005 einen offenen Brief mit den bisherigen Forderungen an Tchibo und veröffentlichte die Ergebnisse der Studie in einer Broschüre. In Folge dessen wurden die Gespräche wieder bereitwillig durch den Tchibo-Konzern aufgenommen, als eine Referentin für soziale Unternehmensverantwortung eingestellt wurde. Um den Druck auf das Unternehmen nochmals zu erhöhen wurden im Oktober 2005 die Misstände im Zuliefererbetrieb „Basic Apparels“ aus Bangladesch veröffentlicht. Auch in diesem Betrieb waren die Arbeitsbedingungen sehr schlecht und es kam ebenfalls zu Entlassungen aufgrund von Mitgliedschaften bei Gewerkschaften. Im Oktober 2005 reiste deshalb eine Näherin namens Rina Begum aus Bangladesch auf Einladung der Clean Clothes Campaign nach Deutschland um dort in mehreren Städten über ihre Arbeit zu berichten. Im Zuge dessen war sie am 13. Oktober 2005 zu Gast bei der Sendung „Monitor“ im ARD und erreichte damit große Aufmerksamkeit. Daraufhin wurde von Tchibo versichert, dass man die Hinweise sehr ernst nehme, jedoch reagierte die Tchibo nach Ansicht der Clean Clothes Campaign damit auf die falsche Art und Weise, da sie die Zusammenarbeit mit Basic Apparels bis zur Klärung des Vorfalls unterlassen wollten. Denn dies hätte, nach Meinung der CCC, den betroffenen Näherinnen mehr Schaden als Nutzen gebracht, da sie auf das Geld dringend angewiesen sind und ihnen bei weniger Aufträgen die Entlassung drohen würde. An diesem Punkt hatte der Skandal über die Arbeitsbedingungen bei Tchibos Zulieferern seinen Höhepunkt erreicht und der Konzern wurde von der „Tchibo Arbeitsgruppe“ und der Öffentlichkeit immer mehr gedrängt etwas gegen die Misstände zu unternehmen. Im Jahr 2006 reagierte Tchibo dann auf diese Forderungen. So heißt es sowohl auf der offiziellen Homepage, als auch im Nachhaltigkeitsbericht von 2014: „Seit 2006 ist Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil der Tchibo Geschäftsstrategie. […] Die Schwerpunkte unserer Maßnahmen liegen in den Wertschöpfungsketten Kaffee und Gebrauchsartikel und in den Bereichen operativer Umweltschutz, Kunden und Produkte sowie Leistungen für Mitarbeiter“. Ein großer Teil dieser Maßnahmen findet durch Kooperationen und Selbstverpflichtungen mit Hilfe von Organisationen statt. Im Jahr 2006 erwarben sie beispielsweise die Lizenz von dem international anerkannten Siegel von Rainforest Alliance und wurden Beiratsmitglied des Social Accountability International (SAI). Heutzutage ist die Tchibo GmbH ein Teil von über 30 Kooperationen und Selbstverpflichtungen. Darunter zum Beispiel auch die Zertifizierung durch den Global Organic Textile Standard (GOTS) seit 2014 oder die Selbstverpflichtung seit 2009 sich an die zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC) zu halten. Die Fortschritte die das Unternehmen in den letzten zehn Jahren gemacht hat, wurden durch verschiedene Auszeichnungen und Rankings bewertet. Z.B. erhielt Tchibo den CSR-Preis 2013 und den Preis für Unternehmensethik 2012. Zusätzlich erhielten sie unter anderem die Gold- und Silbermedaille als „Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen“ durch die Verbraucher Initiative e.V. 2015 und wurden innerhalb einer Verbraucherstudie der Reader's Digest aufgrund des Nachhaltigkeitsengagements zur „Most Trusted Brand“ 2015 gewählt.

Auch wenn der Auslöser des Skandals durch eine Nicht-Regierungsorganisation wie Terres des Femmes e.V. gegeben wurde, war es dennoch entscheidend, dass die Öffentlichkeit ihre Empörung zum Ausdruck gebracht hat und sich aktiv an der Kampagne beteiligt hat. Ohne diesen Druck der Öffentlichkeit hätte aus meiner Sicht der Skandal nicht eine solche Dimension erreicht und hätte wahrscheinlich weniger Positives erzielt.

Ich finde es wirklich erstaunlich wie durch einen Skandal das Unternehmenskonzept stark geändert werden kann und was für eine große Macht die Konsumenten/innen haben können!
Dieses positive Beispiel von einem Unternehmen das durch die Konsumenten dazu gebracht wurde umzudenken, zeigt, dass der Einzelne durchaus etwas bewirken kann! :) 



Weitere Infos / Literatur:
Tchibo GmbH (2014): Nachhaltigkeitsbericht 2014, online im Internet zum Download unter:
http://www.tchibo-nachhaltigkeit.de/csrweb/servlet/content/956082/-/de/home/downloads.html,
Greier, A. (2005): 80 Stunden wöchentlich für 3,25 Euro – Die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie Bangladeschs, in: NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. Bangladesch Zeitschrift, Ausgabe 1/2005, S. 3-6
Herold, H. (2016): Kleider machen Leute – Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, in: NETZ Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit e.V. Bangladesch Zeitschrift, Ausgabe 4/2008, S. 19-21
Lin-Hi, N., Blumberg, I. (2016): The Power(lessness) of Industry Self-regulation to Promote Responsible Labor Standards: Insights from the Chinese Toy Industry, in: Journal of Business Ethics, online first: DOI: 10.1007/s10551-016-3075-0
Lin-Hi, N. & Suchanek, A. (2011): Corporate Social Responsibility als Integrationsherausforderung: Zum systematischen Umgang mit Konflikten zwischen Gewinn und Moral; in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB), Special Issue 1/2011, S. 63-91
DNWE (2012): Presseinformation - Ausgezeichnete Nachhaltigkeit: Tchibo erhält den Preis für Unternehmensethik 2012, online im Internet unter: http://www.dnwe.de/tl_files/Veranstaltungen/121112_PI_DNWEUnternehmensethikPreis2012.pdf
General-Anzeiger (2005): Regionale Wirtschaft – Menschenrechtsgruppen kritisieren Tchibo, online im Internet unter: http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wirtschaft/region/Menschenrechtsgruppen-kritisieren-Tchibo-article70135.html,
NETZ (2016): NETZ – Die Bangladesch Organisation, online im Internet unter: http://bangladesch.org/ueber-netz/organisation.html
Tchibo GmbH (2016): Tchibo, online im Internet unter: http://www.tchibo.de
Terre des Femmes e.V. (2005): 16.10.2005: Reaktion zu Monitor-Film am 13.10.05 über Arbeitsbedingungen eines Tchibo-Zulieferers, online im Internet unter: http://frauenrechte.de/online/index.php/presse/pressearchiv/2005/210-16102005-reaktion-zu-monitor-film-am-131005-ueber-arbeitsbedingungen-eines-tchibo-zulieferers-
Terres des Femmes e.V. (2006): Presseinformation 10.03.2006: Tchibo bemüht sich um Kurswechel. Aktionen der „CCC-Kampagne“ zeigen Wirkung, online im Internet unter: http://frauenrechte.de/online/index.php/presse/pressearchiv/2006/198-10032006-tchibo-bemueht-sich-um-kurswechsel-aktionen-der-qccc-kampagneq-zeigen-wirkung-

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